Kategorie '08. Dämmtechnik':

Innovationen bei Wärme-Dämm-Verbund-Systemen

Datum: 21.01.2009 - Autor: Hans-Jörg Peter

Zur Reduktion hoher Betriebskosten und zum effizienten Energieverbrauch von Gebäuden wurde im Jahre 2001 die „Verordnung über energiesparenden Wärmeschutz und energiesparende Anlagentechnik bei Gebäuden“, kurz EnEV genannt, verabschiedet. Bestehende Gebäude haben je nach Nutzung unterschiedliche Auflagen und Fristen zur Nachrüstung von Wärmedämmung. Um den Anforderungen gerecht zu werden, kommt es oftmals zu Problemen mit der Dicke der Fassadendämmung.

Um dieses Problem zu reduzieren und eine optimale Wärmedämmung zu erhalten, wurden neue Produkte entwickelt. Durch Hinzufügen von Grafit wurde bei Polystyrol eine um 12 % reduzierte Wärmeleitung erreicht. Die Infrarotreflexion des Grafit im Inneren des Dämmstoffes bewirkt eine reduzierte Wärmedurchleitung. Das patentierte Produkt der BASF ist unter dem Namen Neopor auf dem Markt und hat eine Wärmeleitgruppe (WLG) von 032 gegenüber einer WLG von 035 von normalem Styropor, wobei ein kleinerer Wert die bessere Dämmwirkung kennzeichnet. Auf diesem Patent beruht auch die Entwicklung der Firma Sunpor, die dem expandierten Polystyrol (EPS) Grafitpartikel beigemischt haben. Durch die Verwendung von EPS-Platten lässt sich die Dämmdicke im Vergleich zu herkömmlichen Produkten um bis zu 20 % reduzieren. Jedoch gestaltet sich die Verarbeitung der grauen Dämmplatten etwas schwieriger als bei weißen, da sich die Platten bei direkter Sonneneinstrahlung stärker aufheizen und während der Trocknungszeit bei mineralischem Kleber Spannungen entstehen können. Dies kann zum Ablösen der Platten führen. Aufgrund dessen greifen viele Anwender auf Polyurethan-Schaum zurück, was wiederum später zu einem Recyclingproblem führen kann.

Weitere Innovationen bei WDVS sind Resol-Hartschaumplatten oder Phenolharzschaum, der eine WLG von 022 aufweist. Vakuumisolationspaneelen (VIP) zeichnen sich durch eine sehr geringe Aufbauhöhe (z.B. 40 mm) und handliche Größengestaltung der Platten aus. Dadurch ist eine raumsparende und zügige Montage gewährleistet. Die hohen Kosten der VIP`s wird ggf. durch ein Mehr an vermietbarer Fläche kompensiert werden.
Ob Sanierung alter Systeme durch Aufdopplung, Basis-Dämmung bei vorhandener Bausubstanz oder WDVS bei Neubauten – trendstarke Neuentwicklungen auf dem Gebiet der Wärmedämmung werden uns auch in der nächsten Zeit begleiten, um den steigenden Anforderungen des Wärmeschutzes gerecht zu werden.


Wärme-Dämm-Verbund-System (WDVS)

Datum: 21.01.2009 - Autor: Hans-Jörg Peter

Die Geschichte des WDVS ist heute fast 50 Jahre alt aber aktueller denn je. Im Laufe der Zeit wurden die verschiedensten Dämmstoffe für unterschiedliche Anwendungsbereiche entwickelt. Zur optimalen Nutzung sind einige grundlegende Richtlinien zu beachten.
Grundsätzlich gilt im baurechtlichen Sinne das komplette Materialpaket eines Herstellers als ein Baustoff, der bestimmte Prüfkriterien erfüllen muss. Deshalb ist es weder zweckmäßig noch zulässig, ein eigenes „Mischsystem“ zusammenzustellen, etwa aus Kostengründen (billiger Mörtel oder günstiges Gewebe unterschiedlicher Hersteller). In diesem Fall können keine Sicherheitsgarantien (Brandschutz) mehr gegeben werden und rechtliche Konsequenzen und ein Rückbau sind unter Umständen die Folge.


Das Gesamtsystem garantiert eine unkomplizierte Verarbeitung und die korrekte Ausführung von Fensteranschlüssen, der Sockelgestaltung, dem vorgeschriebenen umlaufenden Brandriegel oder die Verfahrensweise bei unbeheizten Räumen, etwa dem Keller. Hierfür bieten die WDVS-Hersteller verschiedene Anschlussprofile und Fugendichtbänder an, sodass ordnungsgemäßes Arbeiten unter den unterschiedlichsten Voraussetzungen zu 100% gewährleistet ist.
Im Zuge der in den vergangenen Jahren weiter verschärften Anforderungen an den Wärmeschutz besteht ebenfalls die Möglichkeit, die bereits bestehende Wärmeschutzfassade mit einer zusätzlichen Dämmung zu optimieren. Diese Vorgehensweise ist durch spezielle bauaufsichtliche Zulassungen geregelt, die zum Beispiel Kriterien des Brandschutzes und der Standsicherheit enthalten.
Die Hersteller haben bei der Entwicklung und Bereitstellung ihrer ausgeklügelten Systeme an viele wichtige Kriterien zu denken. Hier werden im Besonderen auch spezielle WDVS-Dübel zur Befestigung angesprochen. Es muss besonders darauf geachtet werden, dass diese Dübel keine Wärmebrücke bilden. Deshalb werden sie versenkt und eine Abdeckkappe aus Dämmstoff aufgesetzt. Eine zweite Variante ist die Ausführung mit s.g. Klebedübeln, die erst im Mauerwerk verankert werden, bevor auf Ihnen die Dämmplatte aufgeklebt wird.
Namhafte Hersteller von Wärme-Dämm-Verbund-Systemen geben dem Hausbesitzer, bzw. Anwender in jedem Fall genaue und detaillierte Anweisung zur Handhabung und Verarbeitung sowie Hilfestellung bei eventuell im Vorfeld auftretenden Problemen wie etwa feuchten Wänden. Hier muss natürlich zuerst die Feuchtigkeitszufuhr beseitigt und die Wand getrocknet werden.
Es stellen sich für manche Hauseigentümer zum Abschluss auch gestalterische Fragen. Zum Beispiel: kann eine so wärmegedämmte Wand auch begrünt werden? Sie kann - selbstverständlich. Allerdings ist von selbst klimmenden Pflanzen, die keine Rankhilfe benötigen, abzusehen. Diese können erstens nicht so einfach wieder beseitigt werden und außerdem Schäden an der Wand verursachen.